Altlasten oder Potenziale? - Ein neuer Wohnstyle muss her!

Gleich nach Weihnachten ... wenn die Deko weg ist ... brauche ich einen neuen Wohnstyle. Aber wie stellt man das an?

Klar und strukturiert

Manchmal gelingt es, dass sich aus dem Mix verschiedener Stilrichtungen ein neuer Trend ergibt. So ist es geschehen, als sich Elemente des 60er Jahre Italiens und der Skandinavischen Länder in den letzten Jahren mehr und mehr mit einer Loft-Linie zusammen gefunden haben. Akzente können in jede der beteiligten Richtungen gesetzt werden und so lässt sich hier Altes mit Neuem sehr gut mixen.

Landhaus for ever

Die Sehnsucht nach dem Ruralen, Ursprünglichen, dem frisch gebackenen Kuchen der Großmutter und der Berührung von "echten" Gegenständen sitzt tief in uns. Kein Wunder, dass Landleben-Magazine seit Jahren einen Erfolg nach dem anderen feiern. Landhaus kann als Einrichtungsstil durchaus auch puristisch wirken und dort schon wieder eine Berührung zum Loftstyle bzw. den neuen Skandinaviern finden.

Modernes Space age

Rund geht es im Space age Ambiente zu, moderne, technisch anmutende Oberflächen werden durch Farben - und durchaus auch durch den einen oder anderen Gag - freundlich. Es ist nicht mehr die quietschebunte Anmutung der 70er, aber es fehlt trotzdem die Kälte von dominierendem Edelstahl und Stein. Auch dieser Wohnstil soll sich "gut anfühlen" und eine angenehme Atmosphäre ausstrahlen.


Wer schon einige Jahre in seinem Zuhause wohnt, trifft dort meist auf viel Liebgewonnenes. Trotzdem kann der brennende Wunsch entstehen, sich doch ein wenig neu zu erfinden und ein neues Wohngefühl herzustellen. Nicht zuletzt verändern wir uns selbst von Zeit zu Zeit, unsere Lebensumstände ordnen sich neu und dann wird der Wunsch, auch das Wohnambiente zu verändern, laut und lauter. Es muss nicht an den üblichen Gründen scheitern: zu teuer, zu viel Aufwand, kein Platz, um zu einer spür- und sichtbaren Optimierung zu gelangen.

 

Mittlerweile sind es mehr als 50.000 Quadratmeter Umplanungs- und Gestaltungspraxis, die wir aufgebaut haben und daraus ergeben sich - fast zwangsläufig - einige Grundregeln, die wir recht schnell als unumstößliche Erfolgsgrundsätze "begriffen" hatten. Sie beziehen sich genau auf die Einschränkungen, die sich auch bei einer kleineren Umgestaltung im privaten Umfeld als die genannten Herausforderungen darstellen, es darf nicht zu viel kosten, es muss zügig umsetzbar sein und man möchte eine deutliche Verbesserung sehen und spüren. 

 

Der Ausgangspunkt und elementarste Aspekt ist die Antwort auf die Frage: WIE soll es sich denn hinterher anfühlen, welche Stimmung, welche Effekte sollen erreicht werden und bin ich mir sicher, dass das mir bzw. uns als Bewohnern tatsächlich entspricht und nicht der Versuch ist, ein schickes Bild aus einem noch schickeren Einrichtungsmagazin nachzuahmen. Menschen sind mit sehr unterschiedlichen Sinnesorganen ausgestattet und das, was unserem Auge gefällt, mag noch lange nicht das sein, was auch unserem Körpergefühl goutiert. Bei dem Finden der angemessenen Antworten ist wichtig, dass sie sich erst einmal auf sich selbst konzentrieren und notieren, WIE es sich anfühlen soll, wenn es "fertig" ist. Wenn die Einrichtung leicht, luftig, fröhlich, sommerlich werden soll, sieht es um die schwarzen Ledersofas, die Ihnen seit Jahren gute Dienste tun, nicht gut aus. Denken Sie noch nicht einmal daran, dass deren Wirkung durch eine neue Gardine aufgehoben werden könnte. Es ist, wie bei unserer persönlichen Kleidung: zuerst müssen Sie sich für Basics entscheiden und die müssen Ihnen entsprechen und damit diesem von Ihnen gefundenen "Ziel-Gefühl". Wer sich schwer damit tut, das neue Gefühl zu definieren, kann alternativ damit beginnen, zu notieren, wovon er sich am meisten gestört fühlt. In diesem Fall schreiben Sie nicht auf: das Sofa stört, sondern, was daran am meisten stört (Farbe, Größe, Material, ...).

Wenn sich allmählich heraus kristallisiert, wohin Ihre Reise gehen soll, hilft es, wenn Sie Ihrem Abenteuer auch ein Motto geben. Marion wohnt im Nest, Alice goes Business, Tobias begrüßt Gäste ... mit einem solchen Motto fällt es leichter, den nun nächsten wichtigen Schritt zu erledigen: Sie müssen Ihren Bestand sichten, das heißt alles, was in dem Raum bzw. den Räumen steht, die Sie verändern wollen. Verteilen Sie "Rote Punkte" für die Dinge, die nicht bleiben können. Halten Sie per Foto jede Himmelsrichtung des Raumes/der Räume fest, die Sie verändern möchten, bevor Sie Hand anlegen. Der Gag liegt übrigens nicht darin, die gesamte Einrichtung zu entfernen. Zumal sich darunter  häufig auch Gegenstände befinden, von denen Sie sich gar nicht trennen wollen. Es ist bei dieser Sichtungsrunde wichtig, dass Sie sich an dem orientieren, was Sie zuvor als das festgelegt haben, was das neue Wohngefühl ausmachen soll. Wenn das Sofa von seiner Größe und seinem Stil im Prinzip passt, aber nur die falsche Farbe hat, dann kann man mit neuen Stoffen für den Bezug enorme Wirkung erzielen. Als "harte Brocken" gelten da dunkle Ledersofas, besonders, wenn es sich nicht um Klassiker handelt, sondern um sehr modische - mittlerweile aber aus der Mode gekommene - Vertreter. So, wie es nicht geschickt ist, zu modische Kleidungsstücke als Basics zu wählen, so sollten Sie auch bei Neuanschaffungen unbedingt darauf achten, bei den elementaren Gegenständen nicht zu modisch zu sein.

 

Wenn Sie die Stücke identifiziert haben, die definitiv nicht bleiben können, hilft es, sich eine To-do-Liste zu erstellen, die auch eine Reihenfolge der Aktionen beinhaltet. Erfahrungsgemäß kommt in der Umsetzung eine Phase, in der man eine gewisse Sturheit an den Tag legen muss. Sie befinden sich im Umbruch, im Werden und da mischen sich die Dinge und Gegenstände; die einen sind auf dem Weg zu Ihnen, die anderen verlassen gerade die Bühne - in Richtung eines Lagers oder zur Weitergabe an begeisterte Abnehmer. Dank Internet lassen sich im Nahbereich in der Regel schnell Menschen finden, die genau suchen, was Sie nicht mehr eingeplant haben. Und manches ... kann auch einfach nur noch entsorgt werden.

Shoppen Sie nicht, kaufen Sie gezielt nur die Materialien, Gegenstände, Möbel, die zu Ihrem neuen Wohngefühl gehören und sich dort nicht als Störer herausstellen. Der größte Fehler beim Kaufen von Einrichtungselementen liegt meist darin, dass das Objekt der Begierde, das sich im Möbelhaus präsentiert, einem so "schick" erschien. Solch ein Kauf hätte nur Sinn, wenn Sie zu Hause exakt die Wohnwelt aufbauen wollen, die auf der Ausstellungsfläche zu sehen war und dies scheitert schon daran, dass Ihre Räumee einen anderen Zuschnitt haben und Sie bereits über Gegenstände verfügen, die Sie nicht aufgeben wollen. Fazit: lassen Sie das "schicke" Teil, wo es ist!

 

A propos Zuschnitt von Räumen - bevor Sie loslegen, berücksichtigen Sie bitte auch, was die Räume aufgrund des Lichteinfalls, der Himmelsrichtung und der nicht veränderbaren Rahmenbedingungen (Fensterausschnitt, Fußbodenbelag, Tür(en)) ermöglichen. Diese nicht oder nur aufwändig zu verändernden Strukturen spielen auch dann wieder eine bedeutende Rolle, wenn es um das Arrangieren der neuen Wohnszene geht. Menschen bevorzugen es in der Regel, sich nur dann richtig entspannen zu können, wenn der Blick zur Tür frei ist und diese sich nicht in deren Rücken befindet. Soll der Standort einer Sitzgelegenheit mitten im Raum sein, sollte diese - um sich möglichst "gut" für denjenigen anzufühlen, der darauf sitzt - einen eigenen Schutz im Rücken bieten. Ein größerer Raum lässt sich wohnlicher gestalten, wenn nicht alle Möbel an den Wänden aufgestellt werden und in der Mitte eine Art Vakuum entsteht. Besser ist es, kleinere Highlights so zu arrangieren, dass quasi Inseln entstehen. Wenn man diesen eine bestimmte Rolle zuordnen kann, wie das beispielsweise für einen Einzel-Ruhesessel zum Lesen und Entspannen gilt, überlappen sich Funktion und Wirkung in harmonischer Weise.
Kleinere Räume benötigen ein besonders radikales Denken und Planen: um größer und ruhiger zu wirken, müssen sie von Krimskrams, offenen Regalen und überflüssiger Deko befreit werden. Hier liegt die Lösung immer im Reduzieren, denn nur so entsteht Raum zum Atmen und Wohlfühlen. 

 

Und dann noch ein Wort zum Thema Muster und Oberflächen. Hier kann man sehr schnell sehr viel falsch machen, besonders, wenn man das große Ganze und die Wirkung dessen, was vorhanden ist und bleiben soll, falsch einschätzt. Nehmen Sie Fotos - auch von den Zwischenschritten - und ggfs. Stoffmuster - mit zum Abgleichen, bevor Sie in die schon erwähnte Falle tappen: im Laden sah das so toll aus! Was auf kleiner Fläche noch o.k. wirkt, ist schnell ein Alptraum, wenn es auf einmal viele Quadratmeter sind, die sich in Ihrem Zuhause breit machen. Auch hier gilt die Regel, weniger ist mehr. Muster und Strukturen sollten thematisch/farblich eng beeinander liegen und wenn es Ihnen darauf ankommt, einen Akzent zu setzen und ein wirklich dominantes Motiv auszuwählen, dann darf es dazu keine Rivalen geben, sonst fühlt sich das "stressig" an. Ja, auch Farben, Strukturen und Muster können jede Menge Stress auslösen, nämlich dann, wenn sie miteinander um Ihre Aufmerksamkeit kämpfen und sich dabei "laut streiten".

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Entwickeln einer neuen Wohnhülle!

 

 

 

 

 

 

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