Schon wieder ein Fehlkauf!

Was Wohndeko mit Ästhetik zu tun hat

 

 

 

 

 

 

 

Wer sein Wohnumfeld gerne neu arrangiert, dem liefern nicht nur jahreszeitliche Themen Anlass,

sondern auch stets neue Wohnmoden.

 Das Angebot an "Schönen Dingen für Zuhause" ist nicht mehr zu überschauen und begleitet uns im Alltag in hoher visueller Taktung. Broschüren, Webofferten, Plakate, unmittelbare Präsenz in Geschäften, Restaurants, Hotels, auf Messen ... wo immer wir uns bewegen, scannen unsere Sinne permanent Gegenstände, die uns gefallen oder auch unser Missfallen auslösen. Es kann die Atmosphäre insgesamt sein, die uns begeistert, manchmal fällt unser Blick lediglich auf ein bestimmtes Arrangement oder einzelne Gegenstände.

 

Der Wunsch, das/die Objekt(e) der Begierde auch besitzen zu wollen, verführt uns und wir "schlagen zu". Aber nicht immer gelingt es, unser Zuhause damit tatsächlich ästhetisch aufzuwerten. Plötzlich geht es uns wie mit dem Schinken oder dem Wein, den wir uns aus dem Urlaub mitgebracht hatten: Zuhause schmecken die irgendwie nicht mehr so gut.

 

Farben, Texturen und Materialien dominieren und prägen Wohnstile, die teilweise sehr charakteristische Merkmale aufzeigen. So ist ein entsprechend ausgeprägter Wohnstil beispielsweise als 60ties, 70ties oder New Age identifizierbar. Wer schon länger ein eigenes Gestaltungsrecht in seinem Zuhause ausübt und dabei nicht durch Mitbewohner behindert wird - sei es, dass es keine gibt oder diese keine Mitsprache angemeldet haben - bei dem haben sich im Laufe von Jahren bzw. Jahrzehnten geliebte und ungeliebte Gegenstände angesammelt. Bei freundlicher Betrachtung darf eine solche Anordnung als "cross over" bezeichnet werden - von vielem etwas. Die meisten sind aus einem ganz bestimmten Anlass dazu gekommen: ein Geschenk, eine Erinnerung, ein Mitbringsel, ein Schnäppchen, das spontan gefallen hat ... Und dann hat man es einfach nicht übers Herz gebracht, sie rauszuschmeissen.

 


Wer bei Neuanschaffungen von Wohndekor - und damit sind Gegenstände gemeint, die "mal eben so" unseren Bestand vergrößern, eine optimierende Wirkung erzielen möchte, sollte seine Kaufentscheidung zuvor kurz "checken": Passt das oder wird das ein Störer? Ist doch schade, wenn man erst zu Hause bzw. nach dem Auspacken merkt, dass das, was man gekauft hat, so richtig nirgendwo reinpasst: Geld weg und die Freude auch noch.

 

 

Grundsätzlich sagen wir: wer wohnt, hat recht!

 

Oder: Persönliches Wohlgefühl hat oberste Priorität. Das muss absolut nicht im Widerspruch zu ästhetischen Grundregeln stehen. Apropos Ästhetik - ein Begriff, den wir heute vor allem in Verbindung mit dem äußeren Erscheinungsbild von Personen einsetzen - wurde ursprünglich als Teilbereich der Philosophie definiert. In der Phase, die als Aufklärung (1650-1800) bezeichnet wird, stellte man erstmals systematisch Fragen nach dem Geschmackssinn. Der Philosoph Alexander Gottlieb Baumgarten entwickelte die bis heute wirksame Grundidee, wonach schön und ästhetisch sei, was beim Betrachter oder Leser ein über längere Zeit anhaltendes seelisches Wohlgefühl hervorrufe.

 

An dem, was wir heute - persönlich oder auch kollektiv - als schön empfinden, hat eine lange Kette von Einflussnehmern

mitgewirkt, von Namen wie Lessing, Nietzsche, Freud angefangen, bis hin zu solchen wie Frank Lloyd Wright, Zaha Hadid, Charles u. Ray Eames, Le Corbusier oder IKEA. In der aktuellsten Version hat das Netz auch im Bereich Home/Wohndeko das Phänomen von "Influencern" entstehen lassen, die vorbei an allen professionellen Fachleuten sich selbst als solche zu generieren versuchen. Das hört sich unübersichtlich an und hilft nicht weiter.

 

 

Grundlinien, weniger ist mehr und WAS davon

 

Den größten Effekt Ihre eigene Ästhetik weiter zu entwickeln erreichen Sie, wenn Sie Strukturen schaffen. In gewisser Weise könnte man auch sagen: erst einmal Zugehörigkeiten sortieren. Welche Farben sind in einem Raum dominant und soll das so bleiben, ruhiger werden oder stärker betont werden? Farben verbinden selbst unterschiedliche Stilrichtungen und Materialen zu einem ästhetischen Ganzen, vorausgesetzt, es handelt sich um ein durchgängiges Farbkonzept, also Farben, die sich an einer Grundfarbe ausrichten.

Massiven Einfluss auf jede Raumwirkung nimmt der vorhandene Fußbodenbelag. Hölzer, Teppichböden, Fliesen mit starker Farb- bzw. Mustergebung kann man nicht ignorieren, im schlimmsten Fall sind sie zu ersetzen bzw. mit einem neuen Belag zu versehen, wenn das Vorhandene so gar nicht zu dem passt, was Sie sich wünschen.

 


 

Im nächsten Schritt wenden Sie sich der Bewertung der größten und wertvollsten Möbel bzw. Einrichtungsgegenstände zu. Es geht um die individuelle Wirkung.  Sind da zu viele unterschiedliche Farben im Spiel, so dass sich die Solisten gegenseitig förmlich "anmachen"? Dann versuchen Sie den größten Störenfried heraus zu filtern und ggfs. zu entfernen oder ihn durch eine harmonisierende Maßnahme zu kaschieren (neue Farbe, neuer Standort).

Im nächsten Schritt entfernen Sie kleinere und weniger wertige Gegenstände, die jeweils einen eigenen Stil bzw. eine eigene Farbe verkörpern und dazu beitragen, eine unruhige und disharmonische Wirkung zu erzeugen. Sie erleichtern sich die Einschätzung, wenn Sie letztere einfach - zumindest versuchsweise - aus dem Raum entfernen und auf sich wirken lassen, was da neu entstanden ist. Besser, sie verschenken, verkaufen, tauschen Gegenstände oder lagern sie ein, die sich als Störenfried entpuppt haben, als dass Sie sie weiter aushalten und zu tolerieren versuchen. Neuere Forschungen zeigen ganz eindeutig, dass eine disharmonische Wohnumgebung dazu beiträgt, Stressabbau zu behindern und sogar für sich genommen einen Stressfaktor darstellt.

 

 

Und jetzt einkaufen?

 

Ja. Jetzt haben Sie Ihren Raum neu wahrgenommen und erkannt, in welche Richtung sie ihn weiterentwickeln möchten. Sie können jetzt allzu spontanen Einkäufen widerstehen und sind besser gewappnet, nur noch Wohndekor herein zu lassen, was Ihnen wirklich gut tut: Freunde also für die Gegenstände, die schon da sind.